Das Wichtigste zu Gehhilfen
Die grundlegenden Fakten auf einen Blick:
Kostenübernahme durch die Krankenkasse nach ärztlicher Verordnung.
Ihre Zuzahlung beträgt nur 5-10€.
Kein Pflegegrad erforderlich für die Beantragung.
Viele Modelle: Gehstock, Gehstützen, Rollator, Gehwagen.
Was sind Gehhilfen?
Gehhilfen sind medizinische Hilfsmittel, die das Gehen erleichtern und Sicherheit beim Laufen geben. Sie unterstützen bei Gangstörungen, Gleichgewichtsproblemen oder Schwäche und ermöglichen ein selbstständiges, sicheres Fortbewegen – sowohl in der Wohnung als auch draußen.
Je nach Grad der Einschränkung gibt es unterschiedliche Gehhilfen: vom einfachen Gehstock für leichte Unsicherheit bis zum Gehwagen mit Sitz für starke Mobilitätseinschränkungen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nach ärztlicher Verordnung.
Übersicht: Welche Gehhilfen gibt es?
1. Gehstock (Spazierstock)
Für wen: Menschen mit leichter Gangunsicherheit, die nur gelegentlich Unterstützung brauchen.
Eigenschaften: Einfacher Stock, meist höhenverstellbar, mit Handgriff und Gummipuffer am Ende. Gibt es als gerade Stöcke oder mit ergonomischem Griff. Leicht und unauffällig, ideal für kurze Strecken.
Varianten: Klassischer Gehstock, Gehstock mit Handgelenkschlaufe, Gehstock mit breitem Standfuß (Vierfußgehstock) für mehr Stabilität.
2. Unterarmgehstützen (Krücken)
Für wen: Nach Operationen, bei einseitiger Schwäche, Verletzungen oder zur Entlastung eines Beins.
Eigenschaften: Stützen mit Armmanschette, die den Unterarm umschließt und bessere Kraftübertragung ermöglicht. Meist paarweise verwendet. Höhenverstellbar, aus Aluminium, sehr stabil.
Vorteil: Entlasten das Bein bis zu 80%, ermöglichen Treppensteigen, hände bleiben relativ frei (durch Armmanschette).
3. Rollator (Gehwagen mit Rädern)
Für wen: Menschen mit dauerhafter Gangunsicherheit, Gleichgewichtsproblemen, Kraft- oder Ausdauermangel.
Eigenschaften: Gehwagen auf 4 Rädern mit Handgriffen, Bremsen und oft einem Korb oder Sitz. Faltbar, meist aus Aluminium (leicht), mit verstellbaren Griffen. Manche Modelle haben gepolsterte Rückenlehne.
Vorteile:
- Hohe Stabilität und Sicherheit
- Sitz zum Ausruhen bei längeren Strecken
- Transportmöglichkeit (Korb, Tasche)
- Indoor- und Outdoor-Nutzung
- Unabhängigkeit bei Einkäufen und Spaziergängen
4. Gehwagen (Delta-Gehrad, Gehgestell)
Für wen: Menschen mit sehr starken Einschränkungen, die sich nur langsam bewegen können, nach Schlaganfall oder bei Parkinson.
Eigenschaften: Gehgestell ohne oder mit wenigen Rädern, das zum Gehen angehoben und versetzt wird. Sehr stabil, meist für den Innenbereich. Bietet maximalen Halt, ist aber langsamer als ein Rollator.
Auswahlhilfe: Welche Gehhilfe passt zu mir?
| Situation | Empfohlene Gehhilfe |
|---|---|
| Leichte Unsicherheit beim Gehen | Gehstock |
| Nach Hüft- oder Knie-OP | Unterarmgehstützen (paarweise) |
| Gleichgewichtsprobleme, häufige Stürze | Rollator (4 Räder) |
| Schnelle Erschöpfung bei Spaziergängen | Rollator mit Sitz |
| Parkinson, sehr langsames Gehen | Gehwagen / Delta-Gehrad |
| Arthrose in beiden Knien/Hüften | Rollator mit Unterarmauflagen |
Worauf beim Rollator-Kauf achten?
Rollatoren sind die meistgenutzte Gehhilfe. Beachten Sie:
- Gewicht: Leichte Modelle (5-7kg) sind einfacher zu handhaben, besonders beim Einladen ins Auto
- Breite: Standardbreite 60cm passt durch die meisten Türen. Messen Sie Ihre engste Tür aus
- Indoor vs. Outdoor: Kleine Räder für drinnen, große Räder (20cm+) für draußen/unebenes Gelände
- Bremsen: Feststellbremse ist Pflicht. Achten Sie auf leichtgängige Bedienung
- Sitz: Gepolsterter Sitz und Rückenlehne erhöhen den Komfort. Prüfen Sie die Tragkraft (meist 100-150kg)
- Faltmechanismus: Muss einfach zu bedienen sein, wichtig für Transport im Auto
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Alle Gehhilfen sind im GKV-Hilfsmittelverzeichnis (Produktgruppe 10) gelistet und werden von der Krankenkasse übernommen. Sie benötigen ein Rezept vom Arzt mit der Angabe der gewünschten Gehhilfe.
Kosten und Zuzahlung
- ✓Ihre Zuzahlung: 5-10€ (unabhängig vom Produktwert)
- ✓Rollator: Meist als Leihgabe, Sie zahlen nur Zuzahlung
- ✓Gehstock: Wird gekauft, Krankenkasse zahlt
- ✓Ersatzbeschaffung: Bei Verschleiß nach 3-5 Jahren möglich
So beantragen Sie eine Gehhilfe
- 1
Rezept vom Arzt holen. Diagnose und gewünschte Gehhilfe sollten angegeben sein (z.B. "Rollator wegen Gangstörung").
- 2
Sanitätshaus besuchen und verschiedene Modelle testen. Probelaufen ist wichtig – die Gehhilfe muss zu Ihrer Körpergröße und Gehweise passen.
- 3
Sanitätshaus rechnet ab mit Ihrer Krankenkasse. Sie zahlen nur die Zuzahlung und nehmen die Gehhilfe sofort mit (meist ohne Wartezeit).
Gehhilfen finden und technisch vergleichen
Unser KI-gestützter Fragebogen gleicht Ihre technischen Anforderungen mit dem offiziellen GKV-Verzeichnis ab — keine medizinische Beratung, nur Datenblatt-Vergleich.
Vergleich basiert auf Produktdaten aus dem Hilfsmittelverzeichnis — medizinische Eignung klärt Ihr Arzt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Gehhilfe ist die richtige für mich?+
Die richtige Gehhilfe hängt von Ihrer Mobilität ab: Gehstock für leichte Unsicherheit, Unterarmgehstützen nach OP oder bei einseitiger Schwäche, Rollator bei dauerhafter Gangunsicherheit, Gehwagen bei sehr starken Einschränkungen. Lassen Sie sich im Sanitätshaus beraten und testen Sie verschiedene Modelle.
Was kostet eine Gehhilfe?+
Gehstock: 20-80€, Gehstützen: 30-100€ pro Paar, Rollator: 100-400€, Gehwagen: 150-300€. Mit Rezept übernimmt die Krankenkasse die Kosten, Sie zahlen nur 5-10€ Zuzahlung. Rollatoren werden oft als Leihgabe zur Verfügung gestellt.
Übernimmt die Krankenkasse einen Rollator?+
Ja, Rollatoren sind im GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelistet und werden von der Krankenkasse übernommen. Sie benötigen ein Rezept vom Arzt. Die Krankenkasse stellt meist einen Standard-Rollator als Leihgabe zur Verfügung. Sie zahlen nur die Zuzahlung von 5-10€.
Wie stelle ich einen Gehstock richtig ein?+
Der Gehstock sollte so hoch sein, dass Ihr Ellenbogen beim Festhalten leicht angewinkelt ist (ca. 20-30 Grad). Faustregel: Die Stockhöhe entspricht dem Abstand von Ihrem Handgelenk zum Boden, wenn Sie aufrecht stehen. Die meisten Gehstöcke sind höhenverstellbar.
Kann ich mit einem Rollator Auto fahren?+
Ja, viele Rollatoren sind faltbar oder zerlegbar und passen in den Kofferraum. Leichtgewicht-Rollatoren (aus Aluminium oder Carbon) lassen sich besonders einfach ins Auto heben. Es gibt auch spezielle Outdoor-Rollatoren für längere Strecken mit größeren Rädern.
Brauche ich für eine Gehhilfe einen Pflegegrad?+
Nein, für Gehhilfen benötigen Sie keinen Pflegegrad. Jeder Patient mit Gangstörung oder Unsicherheit beim Gehen kann eine Gehhilfe über die Krankenkasse beantragen. Ein Rezept vom Arzt genügt. Mit Pflegegrad werden Anträge aber oft schneller bearbeitet.
Was ist besser: 3-Rad oder 4-Rad Rollator?+
4-Rad-Rollatoren sind stabiler und kippsicherer – empfohlen für drinnen und draußen, besonders für ältere Menschen. 3-Rad-Rollatoren sind wendiger und passen durch engere Türen, aber weniger stabil – eher für jüngere, mobilere Nutzer. In Deutschland sind 4-Rad-Rollatoren Standard.
Wie benutze ich Unterarmgehstützen richtig?+
Die Stützen sollten 5-7cm neben den Füßen aufsetzen. Beim Gehen: Stütze und gegenüberliegendes Bein gleichzeitig nach vorne (z.B. rechte Stütze + linkes Bein). Die Handgriffe auf Höhe der Hüftknochen einstellen, Ellenbogen leicht gebeugt. Armmanschetten 2-3 Finger unterhalb des Ellenbogens.
Darf ich mit einem Rollator ins Flugzeug?+
Ja, Rollatoren dürfen kostenlos als Mobilitätshilfe mit ins Flugzeug. Sie müssen beim Check-in als Sondergepäck angemeldet werden. Faltrollatoren können Sie bis zum Gate mitnehmen und dort aufgeben. Die Fluggesellschaft stellt einen Rollstuhl für den Weg zum Flugzeug bereit.
